Kurze Ortsgeschichte
Triebswetter/Banat

 
 

Die Landesadministration in Temeschwar wurde von der Hofkammer in Wien angewiesen, die vor allem in Mercydorf und Bruckenau einquartierten Kolonisten (wenige Familien kamen noch aus Beschenova, Heufeld, Csatad, Groß-Jetschka, Mastort, Jarmata, Billed, Neu-Arad, Grabatz und Marienfeld u.a.) in eigenen Häusern anzusiedeln und die Kolonisten selbst beim Häuserbau zu beschäftigen. Die zum Häuserbau erforderlichen Gründe glaubte man im temeschwarer und Csanader Distrikt gefunden zu haben. Unter Aufsicht von Johann Wilhelm Edler von Hildebrandt erschienen Mitte April 1772 die Ingenieure auf dem Prädium "Nagyus" um für drei neue Dörfer (Ostern, Gottlob und Triebswetter) die Gründe auszumessen.
Triebswetter ist nach dem Vermessungsingenieur Anton von Triebswetter benannt, der die Gründe für die drei neuen Ortschaften vermessen hat. Die Version, wonach bei der Fertigstellung Triebswetters trübes Wetter geherrscht haben soll, kann wohl in das Reich der Fabeln verwiesen werden. Für Triebswetter waren 200 Kolonistenhäuser geplant. Der Ort liegt 45o 59´ nördlicher Breite und 20o 39´ östlicher Länge und führt heute die rumänische Bezeichnung "Tomnatic". Im Norden ist der Ort umgeben von Groß-St.-Nikolaus und Sarafol, im Osten von Lovrin und Teile von Sarafol, im Westen von Dugoszello (Nero), und im Süden von Gottlob und Klein-Vizesdia.

Die späteren Triebswetterer mußten zuerst als Robotbauern bei der Errichtung der Ortschaft Gottlob mithelfen. Dann war in der ersten Woche nach Ostern 1772 (Ostersonntag fiel auf den 19. April) das Prädium Nagyus ein Tummelplatz einiger Hundert Robotbauern aus dem Csanader und Temeschwarer Distrikt. Auch die späteren Triebswetterer mußten bei der Errichtung des eigenen Ortes als Robotbauern mithelfen. Am 15. Mai 1772 zeigte Hildebrandt der Administration an, daß die einquartierten Kolonisten zu ihren Ansiedlungsplätzen "ausrücken" werden. Arbeit gab es genug. Holz und Deckrohr mußten herbeigeschafft werden und für die Stampfleute Lehm und Stroh zur Errichtung der Häuser.
Die Erde für die Stampfbauten wurde außerhalb des abgesteckten Ortes ausgegraben. In Triebswetter sind heute noch bei allen vier Dorfecken Vertiefungen auf einer Fläche von ca. 2.500 qm zu sehen. Die Arbeiter sollen (weisungsgemäß?) als allerersten Bau das Wirtshaus (!), dann die Kirche und später die Kolonistenhäuser errichtet haben.
Nach einem Bericht vom 04.10.1772 von Johann Wilhelm Edler von Hildebrand (Administrationsrat und Leiter der Temeschburger Impopulationsabteilung) über die Ansiedlung der Ortschaft Triebswetter, kostete das Kolonistenhaus 131 f (Gulden) und 36 1/2 Kreuzer(1f=60Kreuzer), die sonstige Haus- und Feldwirtschaftseinrichtung 123 f und 17 5/9 Kreuzer, zusammen also knapp an die 255 f. Das Wirtshaus verschlang die Summe von 658 f und 22 1/5 Kreuzer, der Bau einer doppelten Rossmühle kostete 600 f. Die Kirche in Triebswetter wurde für 693 f und 43 Kreuzer erstellt, das Pfarrhaus für 467 und 42 3/5 Kreuzer, ein Schulhaus für 301 f und 45 3/5 Kreuzer. Die Gesamtkosten für drei zu erbauende Orte (Gottlob, Ostern und Triebswetter) zu je 200 Häusern wurden auf insgesamt 165.653 f geschätzt, mithin 55.217 f für die Errichtung von Triebswetter.
Auf den Gassen wurden 9 öffentliche Brunnen gebohrt. Die Hauptgasse und auch die Quergassen hatten eine Breite von rund 36 m. Alle Häuser wurden mit der Giebelseite der Gasse zugekehrt gebaut. Es muß schnell gebaut worden sein und mit sehr vielen helfenden Händen. Denn am Feste der Apostel Peter und Paul (29. Juni) waren die Kolonisten in ihre Lehmhäuser gezogen (noch im Jahre 1900 waren 75 % aller Bauten in Triebswetter Stampfbauten aus Lehm). In der katholischen Bauerngemeinde Triebswetter, in der fast alle Bewohner in der Landwirtschaft tätig waren, begann das bäuerliche Leben.

Wie glücklich mochten die Kolonisten nun gewesen sein, endlich in ihr so ersehntes eigenes Heim eingezogen zu sein. Sie waren jedoch bei weitem nicht auf Rosen gebettet. Oft genug blieb die kamerale Verpflegung aus (die Siedler bekamen, da ihre Felder noch keine Ernte erbringen konnten, Mehl und andere Grundnahrungsmittel von der Administration zugeteilt ="Antizipation"). Es fehlte ihnen grundsätzlich an Wagen, Vieh und Feldgeräten. Für den Anbau von Kukuruz (Mais) und Brein (Hirse) fehlte die Saat. Die erste Ernte der Ansiedler scheint nicht viel erbracht zu haben. Im Spätherbst 1772 erhielten die Kolonisten endlich die schon mehrfach erbetenen Pferde und Kühe.. Die Ansiedler hatten, obwohl der Winter vor der Tür stand, nichts zu essen und kein Futter für die Tiere. In das benachbarte Groß-St.-Miklosch durften sie nicht fahren, da sie sonst bestraft wurden (Männer mit bis zu 24 Stockschlägen, Frauen mit der Peitsche). Um ihrer Not ein Ende zu machen, wandten sich die Triebswetterer im Dezember 1772 wieder an die Administration mit der Bitte, ihnen entweder Frucht (Weizen) oder aber Hirse und Mais zu geben. Selbst Anfang April 1773 baten sie erneut für die Wintersaat "Früchte" vorzuschießen. Endlich angesiedelt, hatten die Kolonisten zwar ihr eigenes Heim, waren aber sehr mit Schulden beladen. Alles was ihnen die Administration überließ (Saat, Vieh, Geräte), mußten sie in irgendeiner Form bezahlen. Den Kolonisten wurden 3 Freijahre gewährt bis zur Rückzahlung des empfangenen Geldes oder der empfangenen Naturalien. Viele Kolonisten machten sich kurz vor Ablauf dieser Frist heimlich auf und davon um ihr Glück woanders zu finden. Auf diese Art sind manche Kolonistenhäuser wieder leer geworden.

Anfang April 1774 bat die Triebswetterer Gemeinde um Zuteilung von mehr Ackergrund. Ihr Wunsch sollte bald in Erfüllung gehen. Mitte Mai 1774 erschien die Lokaldirektion in Triebswetter um den Kolonisten ihren "ganzen" oder "halben" Grund parzellenweise zu übergeben. Nach vollbrachter Feldübergabe am 17. Mai 1774 wurde dieser Akt auf der Hotterkarte vermerkt und von den Herren der Lokaldirektion unterzeichnet. Es erhielten 108 Bauern eine ganze "Session" und 92 Bauern eine halbe "Session". Weiterhin wurden 119 Parzellen (je 1 Joch) Weingärten zugeteilt. Bei der Übergabe wurde jedem Feld- und Hausbesitzer ein sogen. "Gewährs-Schein" ausgestellt, der auf den Namen des betreffenden Besitzers lautete. Dadurch wurde diesem die Behausung samt dem dazugehörigen Grundstück "als ein wahren Eigentum zum freyen Genuss" zugeschrieben. Diese Flurkarte ist für die Familienforschung von erheblicher Bedeutung, da sie alle Namen der Ansiedler und Feldbesitzer samt der Straßenbezeichnung und der Hausnummer bewahrt hat.

Zugeteilt wurde je nach Anrecht:
Ansässigkeit1/1

       1/2

Ackerfeld24 Joch12 Joch
Wiesen  6 Joch  4 Joch
Hutweide  3 Joch  2 Joch
Haus- und Garten  1 Joch  1 Joch

zusammen              34 Joch          19 Joch

In Triebswetter selbst gab es nur "ganze" oder "halbe" Ansässigkeiten (Bauern).
Nach Petri/Wolf (Seite 153) sollen bis auf wenige Deutsche, die in der "deutschen Gasse" wohnten, sämtliche Kolonisten von Triebswetter Lothringer gewesen sein. Einer Untersuchung zufolgen lagen bei 920 festgestellten Herkunftsorten 568 in Lothringen, 73 in Luxemburg (gemeint ist meist die Belgische Provinz Luxemburg) und 32 in Frankreich. Nach dem Akt der "Canonica Visitatio" zählte Triebswetter am 17.09.1778 genau 856 Seelen, darunter 278 Kinder bis zu 8 Jahren und 70 Kinder von 8 bis 20 Jahren.
Aus einer Bittschrift des Jahres 1778 kann entnommen werden, daß es in Triebswetter zu diesem Zeitpunkt noch 150 Haushalte von Franzosen gab, die kein deutsch verstanden.
In den ersten 30 Jahren, also bis zur Jahrhundertwende heirateten die "Franzosen" nur untereinander (ebenso wie die Deutschen). Danach erfuhr die Zusammensetzung der Einwohnerschaft von Triebswetter gewisse Änderungen. Teils durch Absterben, mehr aber durch Abwanderung in neu entstandene Orte (Kolonisation unter Joseph II) nahm die Zahl der Franzosen in stärkerem Maße ab als die der Deutschen. Auch erschienen neue Ankömmlinge im Ort: Deutsche aus Luxemburg, dem trierischen Land und aus der Gegend von Würzburg. An die zwei Dutzend neue Namen tauchen um diese Zeit in den Pfarrbüchern von Triebswetter auf, worunter deutsche Namen den französischen Namen zahlenmäßig weit überlegen waren. Bei einer Volkszählung in Triebswetter im Jahre 1900 gaben bereits 96 % der Bewohner an, Deutsche zu sein. Bis 1817 waren alle Dorfbewohner katholisch, ab 1818 gab es dann auch 68 Orthodoxe, 16 Juden und 2 Protestanten.

1802 erhielt Feldmarschall-Leutnant Josef Baron Alvinczy de Borberegh die Dörfer Triebswetter, Sarafol und Nero von Franz II. als "mixta donatio" (er mußte die Hälfte des Wertes dieser Dörfer an die Hofkammer bezahlen). Kurz vor seinem Tode (+ 25.11.1810) hat der kinderlose Alvinczy den befreundeten Feldmarschall-Leutnant Albert Gyulai de Maros-Németh et Nádaska adoptiert und als Erben seiner Güter eingesetzt.
 
 

Wissenswertes aus dem Leben Banater Dörfer:
Die Taufe erfolgte Anfangs wegen der hohen Säuglingssterblichkeit noch am Geburtstage, spätestens am nächsten Morgen. Nottaufen führte häufig die Hebamme durch, da nach dem Verständnis der damals streng katholischgläubigen Kolonisten Ungetaufte nicht in den Himmel kamen und nicht in gesegneter Erde (Friedhof) beerdigt werden durften.
Das Abnehmen der Säuglingssterblichkeit in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat dazu geführt, daß der Tauftag immer mehr hinausgeschoben wurden. Tauftag war dann meist der nächstfolgende Sonntag, nach dem Hochamt Morgens oder der Vesper am Nachmittag. Mancherorts lagen Monate zwischen Geburt und Taufe um Zeit dafür zu gewinnen, Angehörige einzuladen und diese anreisen zu lassen. Nach der Einrichtung von Frauenkliniken und Entbindungsheimen wurden selbst Geburts- und Taufort getrennt. Der Familienforscher sollte berücksichtigen, daß gelegentlich der Geburtsort des ersten Kindes einer Familie der Wohnort der Großeltern mütterlicherseits war. Hier wurde dann auch getauft. Kam die Ehefrau von auswärts, sind oft Doppeleintragungen in den Kirchenbüchern vorhanden. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (Barockzeit) wurde es modern, Doppelnamen zu vergeben.

Die Namensgebung war von Ort zu Ort unterschiedlich:
- Der erstgeborene Sohn erhielt oft den Vornamen des Vaters,
                                        - der zweite den des Großvaters väterlicherseits,
                                        - der dritte den des Großvaters mütterlicherseits,
                                           anschließen war freie Wahl.

   Das gleiche System gab es bei einer Mädchengeburt
   (also Name der Mutter, der Großmutter usw.)
- Enkelkinder erhielt oft den Namen der Großeltern.
   Vorrang hatten die Großeltern des Vaters bzw. der Mutter.
- Namensgeber waren die Taufpatenselbst, deren Vorname
   Verwendung fanden. Für jede Geburt wurden andere Taufpaten
   erwählt , damit die Kinder andere Namen bekamen.
- Der Vorname verstorbener Kinder wurden wieder gewählt
   (in manchen Orten nicht, man war abergläubisch)
- Der Name wurde vom Ortsgeistlichen festgesetzt (!), meist nach dem
   heiligen Schutzpatron des Geburts- oder Tauftages.
 
 

Gemeindevorsteher
In Triebswetter war der Gemeindevorsteher immer der "Richter" (Kleinrichter). Geschworene und der Notar waren die Vizerichter. Das Richteramt dauerte nur 1 Jahr von November bis November. Der Richter wurde von den Ansässigen gewählt. Der Grundherr konnte 3 Personen zur Wahl vorschlagen. Richter und Geschworene hatten auf die gute Ordnung in der Gemeinde zu wachen. Sie hatten Ausschweifungen und Mißbräuche zu verhüten und regelten die niedere Gerichtsbarkeit. Für seine Tätigkeit war der Richter von diversen Verpflichtungen befreit (z.B. Robotarbeiten, Duldung der Einquartierung von Militärpersonen usw). Er bekam für seine Tätigkeit aus der Gemeindekasse Anfang des 18 Jahrhunderts 24 fl im Jahr an Gehalt: Als äußeres Zeichen seiner Würde trug er einen silberbeschlagenen Richterstock. Ab 1937 wurde der Richter nichtmehr gewählt sondern vom Präfekten bestimmt.
 
 
 

Strafen
Hatte ein Ortsinsasse die Ordnung in der Gemeinde übertreten, bekam er entweder Arrest, die "Geige" oder die "Bastonade". Die Geige war ein zusammenklappbares Brett mit 3 Löchern. In diese wurden Kopf und Arme gesteckt und das Brett geschlossen. Der Übeltäter mußte vor dem trommelnden Kleinrichter durch die Gassen des Dorfes laufen, an jeder Straßenecke laut seinen Namen und sein Vergehen verkünden. Am nächstfolgenden Sonn- oder Feiertag mußte er unter Aufsicht eines Dorfpolizisten vor der Kirche stehen.
Wer zur "Bastonade" verurteilt wurde, mußte am folgenden Sonntagmorgen den "Deresch" (ung. = Strafbank) vor das Haus des Richters tragen (oder später vor das Gemeindehaus), wo schon ein schaulustiges Publikum versammelt war. Der Übeltäter mußte sich auf die Strafbank legen, wo er vom Kleinrichter mit dem Haselstock die Anzahl von Stockschläger verpaßt bekam, die der Tatschwere entsprachen. Der Übeltäter mußte sich für die erhaltene Strafe bedanken und geloben,keine Fehltritte mehr zu begehen. Entlassen wurde der Übeltäter erst, nachdem er den "Deresch" wieder an seinen Platz getragen hatte.